Situation in Italien

Situation in Italien

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Italien : Das Leid der Straßen - und Canilihunde

In Apulien, einer Region in Süditalien, muss von derzeit circa 100.000 Straßenhunden ausgegangen werden, deren Leben von Hunger, Durst, Misshandlung und Vergiftung geprägt ist. Da es so gut wie keine Prophylaxe gibt und die Hunde nicht sterilisiert werden, nimmt deren Zahl eher zu als ab. Apulien ist die Region, in der die Zahl der ausgesetzten Hunde am höchsten ist.

Noch schlimmer trifft es die Hunde, die in die sogenannten Canili (=Hundeverwahrlager) gebracht werden, die von privaten Unternehmern, Firmen oder "Tierschutzvereinen" geführt werden und die dafür von den Gemeinden mit einer pro Hund/pro Tag - Pausschale bezahlt werden : Ein lohnendes Geschäft. Hier werden die Hunde oft rücksichtslos und ohne jegliche Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse auf engstem Raum eingesperrt und haben nur selten die Chance, diese jemals wieder zu verlassen. Je mehr Hunde man hortet und je weniger man für sie ausgibt, desto höher der Gewinn. Eine einfach und brutale Rechnung auf Kosten dieser unschuldigen Tiere.

Der gesetzliche Hintergrund

Mit dem Inkrafttreten des italienischen Tierschutzgesetzes 281/1991 wurde die bis dahin geltende Praxis, Straßenhunde einzufangen und sie dann nach 3 Tagen zu töten, beendet. Seit 1991 ist das Töten der Hunde verboten. Das Aussetzen der Haushunde wird mit einer Geldbuße von 10.000 Euro oder Gefängnis von bis zu einem Jahr geahndet. Das Gesetz betont außerdem deutlich die Fürsorgepflicht des Staates, der für eine Geburtenkontrolle zu sorgen hat.

Also alles in bester Ordnung? Leider nein, denn die Realität zeigt, dass dieses Gesetz nur auf dem Papier steht und keinerlei praktische Umsetzung erfährt, ja sogar, dass es gerade dieses Gesetz ist, das pervertiert wurde und zu unsagbarem Leid führt.


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Der Alltag in solchen Canili sieht in etwa so aus:

Viele Hunde verhungern und verdursten.
Es gibt keinen Schutz vor Kälte oder Hitze; keine Liegeplätze, keine Rückzugschance. Es gibt keinen Freilauf; die Hunde bleiben lebenslang in ihren betonierten Zwingern. Bedingt durch die Enge drehen viele Hunde durch und beißen sich gegenseitig. Sie stehen knöcheltief in ihren Exkrementen.
Hygiene : Fehlanzeige : Brutofen für Infektionskrankheiten.
Sie bekommen nur so viel zu fressen, dass sie gerade eben am Leben bleiben. Es gibt keine tierärztliche Versorgung, kranke oder verletzte Tiere bleiben unbehandelt. Die Tiere werden rücksichtslos auf engsten Raum zusammengepfercht. Selbst in diesen Tierheimen werden die Hunde nicht sterilisiert. Schwerstkranken Hunden wird die erlösende Spritze vorenthalten.
Verdient wird auch, wenn sie sterben; denn die Einäscherung des Kadavers wird dem Betreiber mit durchschnittlich 80.- Euro vergütet und der freie Platz ist schnell wieder belegt.
Tote Hunde bleiben aber auch lange im Zwinger neben den noch lebenden Hunden liegen, um die Tagespauschale der Gemeinde kassieren zu können oder der Chip wird ihnen herausgeschnitten, um weiter zu kassieren.

Vermittlungen aus solchen Tierheimen finden so gut wie nie statt, meist ist Besuchern der Zugang auch nicht gestattet. Über 95 % der italienischen Bevölkerung hat ein solches Canile noch nie von innen gesehen.
In ein solches “Tierheim” eingeliefert zu werden, bedeutet Endstation, bedeutet Dahinvegetieren bis zum Tod, an dem auch noch verdient wird…

Zusammenfassung:

Das italienische Tierschutzgesetz ist SEHR GUT, wird ABER NICHT UMGESETZT. Die Zahl der ausgesetzten Haushunde ist groß, eine Bestrafung für das Aussetzen kann nicht ausgesprochen werden, da mangels Chip die Besitzer nicht identifiziert werden können und sich viele örtliche Gemeinden auch nicht wirklich dafür interessieren, etwas ändern zu wollen. Staatlich geförderte Geburtenkontrolle in Form von Sterilisationen finden nicht statt.
Die derzeitige Vorgehensweise, Straßenhunde einzufangen und diese dann in privat oder von Unternehmern geführten Tierheimen „unterzubringen“, löste bisher nicht nur das Problem nicht, sondern bedingt einerseits unsagbares Leid für die Tiere und andererseits Millionen von sinnlos ausgegebenen Steuergeldern, ohne dass sich an der Situation selbst etwas ändert. Nach wie vor gibt es auch von gesetzlicher Seite her keine bundeseinheitliche Regelung für Tierheime und jeder, der einen Antrag bei der Gemeinde und beim Amtstierarzt einreicht, kann ein solches Tierheim eröffnen. Fachliche Qualifikationen werden nicht vorausgesetzt.

Lösungsansätze:

1) Es muss ein einheitliches und klar definiertes Tierschutzgesetz geschaffen werden, das in ganz Italien Gültigkeit hat. Besser noch wäre ein EU-weit geltendes Tierschutzgesetz, welches alle Mitgliedsstaaten zur entsprechenden Einhaltung verpflichtet und die Prophylaxe, sprich die Sterilisation und Kennzeichnung der Hunde zwingend vorschreibt.

2) Der Staat muss endlich seinem eigenen Tierschutzgesetz folgen und landesweit die Geburtenrate senken, also dafür sorgen, dass Haus- und Straßenhunde sterilisiert werden. Nur durch konsequente Geburtenkontrolle ( auch innerhalb der Tierheime !) lässt sich all dieses Leid verhindern. Sterilisierte Straßenhunde sollten – wo dies möglich ist – wieder an dem Ort ausgesetzt werden, an dem sie eingefangen wurden, nachdem sie sterilisiert wurden. Dieses Verfahren ist die einzige Möglichkeit, das Restrudel nicht zu einer verstärkten Reproduktion anzuregen. Das Wegsperren der eingefangenen Straßenhunde allein ändert NICHTS an der hohen Zahl von Straßenhunden. Auch das Töten der Hunde ist wirkungslos. Wissenschaftliche Studien von Verhaltensforschern, Biologen, Mathematikern und Tierärzten zeigen, dass nur die Kastration und Sterilisation effektiv ist.; dies wird auch von der WHO bestätigt :

Guidelines for Dog Population Managment W.H.O. Geneva, 1990, page 74: “Removal and killing of dogs should never be considered as the most effective way of dealing with a problem of surplus dogs in the community : it has no effect wahtsoever on the root cause of the problem.

3) Jedes Haustier muss nicht nur sterilisiert, sondern auch gechippt und im Haustierregister eingetragen werden, mit dann auch folgender Kontrolle durch die Gemeinde.

4) Die einzelnen Gemeinden müssten ihre eigenen kommunalen und öffentlichen Tierheime bauen, in denen die Hunde artgerecht untergebracht und versorgt werden, in denen die Zahl der untergebrachten Hunde auch der Tierheimgröße angepasst ist, jederzeit Zugang für die Bevölkerung besteht, Adoptionen gezielt gefördert werden und in denen sich tierliebende Menschen und Tierschutzvereine und nicht Geschäftsleute um die Hunde kümmern können und DÜRFEN. Eigentlich überflüssig zu erwähnen ist die Forderung nach qualifiziertem Personal, vernünftiger Ernährung, Einhaltung von Hygienemaßnahmen, Impfungen und tierärztlicher Versorgung bei Krankheiten und Verletzungen. Solange mit eingefangenen Straßenhunden viel Geld verdient werden kann, wird sich die Situation nicht verbessern : Die Privatisierung der Tierheime ist als DAS PROBLEM schlechthin zu sehen und bedarf DRINGEND der Überarbeitung, indem die Verwendung der Gelder auch KONTROLLIERT wird und das Wohlergehen der Hunde innerhalb der Canili von unabhängigen Personen überwacht wird.

5) Die Bevölkerung muss durch Aufklärungskampagnen für die Probleme sensibilisiert werden, Öffentlichkeitsarbeit massiv vorangetrieben werden.

6) Das Thema Tierschutz muss im Lehrplan der Schulen verankert werden, um die kommende Generation zu einem dann vielleicht verantwortungsvolleren Umgang mit unseren Mitgeschöpfen anzuhalten.

Sie sehen, liebe Tierfreunde, dass die Probleme in Italien sehr komplexer Natur sind und die Hunde sehr darunter leiden müssen.

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit, damit wir den Hunden in Süditalien helfen können.
Wir danken Ihnen im Namen der süditalienischen Straßen- und Canilihunde.